Köthen statt Kiew
Rätseln über die Gründe für den Lastminute-Einzug des BSW in den Magdeburger Landtag. Die deutschen Sanktionen wegen des russischen Drohnenanschlagversuchs von Leipzig-Halle hätten putinpazifistische Wähler wohl als Eskalation empfunden und deshalb aus Trotz ihr Kreuz bei der Wagenknecht gemacht. Beschämender noch die These, die antisemitische Attacke gegen Selensky hätte ihre Wirkung wohl nicht verfehlt. Der ukrainische Präsident wurde auf einem schändlichen Wahlplakat, solchen der NSDAP in der Weimarer Republik durchaus ähnlich, als raffgieriger „Abzocker“ verunglimpft. Die Gründe für ihren knappen Erfolg werden so zurechtgebogen, dass am Ende immer die Ablehnung weiterer militärischer Unterstützung für die Ukraine herauskommt, für die die Regierung Merz angeblich unseren Sozialstaat zu opfern bereit sei. „Köthen statt Kiew“ lautete eine der offenbar populären Parolen. Und in Fortsetzung beim Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: “Mehr an Anklam als an Kiew denken.“

© Kay Nietfeld / DPA








