Ganz Paris träumt von Olympia

Aber Putin träumt von Gegenspielen
 
Essay in: Die Politische Meinung 2024/III

Manche seiner scharfen Kritiker platzten vor Schadenfreude, als der bis vor Kurzem Wladimir Putin so zugeneigte Chef des Internationalen Olympischen Komitees (International Olympic Committee, IOC) Thomas Bach, kübelweise mit propagandistischem Kreml-Unrat überschüttet wurde. So hat die für ihre geschmacklosen Polemiken berüchtigte Pressesprecherin desrussischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, den Ausschluss sogenannter „individueller, neutraler Athleten aus Russland“ von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris am 26. Juli 2024 mit der Hasstirade kommentiert: „Das IOC ist zu einem Ort geworden, an dem Neonazismus und Rassismus gedeihen.“ IOC-Sprecher Mark Adams verwies zudem auf haarsträubende Kommentare in den sozialen Medien, die Bachs deutsche Staatsangehörigkeit und den Holocaust mit dem Ausschluss der russischen Sportler in einen Begründungszusammenhang gebracht hätten.

Notizen von der Querfront ( Juni ´24 )

Krieg oder Frieden?

Franz Müntefering schimpft wie ein Rohrspatz: Die Wagenknecht habe „nicht alle Tassen im Schrank“, weil sie im Europawahlkampf die Scheinalternative „Krieg oder Frieden“ plakatieren lässt. Gemach, der vitale SPD-Pensionär sei daran erinnert, dass seine Partei einst in einem NRW-Landtagswahlkampf 1980 mit derselben Parole die Gemüter erhitzte. Damals ging es um die NATO-Nachrüstung, den Überfall des senilen Breschnew auf Afghanistan und den darauffolgenden Olympia-Boykott des um seine Wiederwahl besorgten US-Präsidenten Jimmy Carter.

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Sachbücher des Monats Juni 2024

Literarische Welt / WDR 5 / Neue Zürcher Zeitung / ORF-Radio Österreich 1

1. Steven Levitsky / Daniel Ziblatt
Die Tyrannei der Minderheit. Warum die amerikanische Demokratie am Abgrund steht und was wir daraus lernen können. Übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt, Deutsche Verlags-Anstalt, 349 Seiten, € 26,00

2. Andreas Kilcher
Kafkas Werkstatt. Der Schriftsteller bei der Arbeit, C. H. Beck Verlag, 302 Seiten, € 28,00

3. Philipp Lenhard
Café Marx. Das Institut für Sozialforschung von den Anfängen bis zur Frankfurter Schule, C. H. Beck Verlag,
624 Seiten, € 34,00

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Notizen von der Querfront ( Mai ´24 )

Kaliber-Experten

Der Bundespräsident bleibt ein Gefangener seiner Vergangenheit, wenn er über „Kaliber-Experten“ spottet, also offenbar über die Befürworter von zusätzlichen Waffenlieferungen an die um Hilfe flehende Ukraine. Persönlich gemeint sein könnten damit – die streitbare Liberale Strack-Zimmermann, die postpazifistisch klug gewordenen Grünen insgesamt oder der aus dem Vorstand der SPD geschasste Michael Roth, seines Zeichens Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.

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Sachbücher des Monats Mai 2024

Literarische Welt / WDR 5 / Neue Zürcher Zeitung / ORF-Radio Österreich 1

1. Franziska Augstein
Winston Churchill. Biographie, Deutscher Taschenbuch Verlag, 615 Seiten, € 30,00

2. Victoria de Grazia
Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt. Übersetzt von Michael Bischoff, Verlag Klaus Wagenbach, 508 Seiten, € 38,00

3. Tara Zahra
Gegen die Welt. Nationalismus und Abschottung in der Zwischenkriegszeit. Übersetzt von Michael Bischoff, Suhrkamp Verlag, 445 Seiten, € 36,00

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Die Linke nach der Spaltung – zwei Momentaufnahmen

Essay aus: Die Politische Meinung – Blog vom 07.02.2024

Die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 2024. Traditionelles Begängnis der Linken –
der parteipolitisch gebundenen und der Gefühlslinken. Große Frage: Wird sie kommen?
Sie kam nicht. Stattdessen dreizehn Tage später: der Gründungsparteitag. Einer Partei ihres
Namens. Von den Schatten einer einst vereinten Ideologie und dem Aufbruch in eine ungewisse
Zukunft.

Karl & Rosa, und jetzt Sahra

Das große Gedenken nach der Spaltung der Linken

Essay aus: Die Politische Meinung – Blog vom 08.01.2024

Auch das Medienjahr 2024 beginnt scheinbar unausweichlich mit Bildern vom
Demonstrationszug auf den Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde, jenem
„Marsch der Scheinheiligen und Selbstgerechten“, wie er gern spöttisch, nicht
nur von Anti-Kommunisten, genannt wird. Diesmal darf man gespannt sein,
ob es angesichts der Spaltung der Linken noch zu einer Wiederholung des
sattsam bekannten Einheitsrituals vor den Gräbern der Ikonen kommen wird.

SPD-Oldies wollen Putins Schröder rehabilitieren

Leserbrief an die F.A.Z.

(zu: Reinhard Bingener: Das Erbe einer Generation, in: F.A.Z. vom 28.10.23)

Mit der Ehrung Schröders zum 60. Jahrestag seiner Parteimitgliedschaft drängt sich der Verdacht auf, dass hier ein parteiinterner Strategiewechsel bei der längst fälligen Aufarbeitung der folgenreich missglückten Russland-Politik eingeläutet werden soll.

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Sachbücher des Monats Juni

Literarische Welt / WDR 5 / Neue Zürcher Zeitung / ORF-Radio Österreich 1

1. Thimothy Garton Ash
Europa. Eine persönliche Geschichte. Übersetzt von Andreas Wirthensohn, Carl Hanser Verlag, 448 Seiten, € 34,00

2. Philippe Descola
Die Formen des Sichtbaren. Eine Anthropologie der Bilder. Übersetzt von Christine Pries, Suhrkamp Verlag, 783 Seiten, € 68,00

3. Hanno Sauer
Moral. Die Erfindung von Gut und Böse, Piper Verlag, 392 Seiten, € 26,00

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Kommentar

„Schröder darf bleiben“ oder: Der moralische Bankrott der SPD

„Nicht mit hinreichender Sicherheit“ könne festgestellt werden, ob Ex-Kanzler Gerhard Schröder gegen die Parteiordnung der SPD verstoßen habe. Lautet die Erklärung der Schiedskommission des Bezirks Hannover, die nunmehr in letzter Instanz von der Bundeschiedskommission der SPD bestätigt wurde.

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